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Interview mit einem Vamp Here!

Aktualisiert: 28. März

Patti: Als sowohl zugezogene als auch ungezogene Fricktalerin lebe ich schon jahrelang hier. Die Aussensicht aufs Limmattaler Leben ist dem internalisierten Nebel gewichen. Mein Blick ist im Tunnel parkiert. Ich brauche ein neue Perspektive, Einsichten aus der Aussensicht. Wer zu sehr auf den eigenen Lebensmittelpunkt fokussiert, läuft Gefahr, mit gespaltener Persönlichkeit oder gar gespaltener Zunge zu sprechen.

Da hilft nur eine Sparring-Partnerin, eine scharfe Zunge, die meine linguistischen Pingpong-Bälle zurück spielt. Die wohl beste Art, Zungenschlagfertigkeit zu trainieren. Ein schönes Bild übrigens - wenn auch nicht ganz so schön wie ein von Corinne gemaltes. Corinne Sutter, was verschlägt dich hierher?

«Scharfe Zungen»: Patti Basler ist Autorin, Kabarettistin, Satirikerin und lebt bei Baden. Corinne Sutter, multidisziplinäre Künstlerin aller Art, Speedpainterin und Schnelldenkerin, wohnt als Ost-Schweizer-Expat in Aarwangen und ist beruflich oft in Baden. Beide sind hinter Mikrofonen, auf Bühnen, vor Kameras unterwegs und gehen gelegentlich ins Netz, jede gezeichnet von der anderen. Sie sinnieren mit dem Podcast «Scharfe Zungen» über die Welt.


Corinne: Die Sprache verschlägt mich hierher. Ich hätte gerne meinen Wohnsitz hierherverlegt. Meinen ersten Verleger habe ich hiermit bereits an Land x Stadt gezogen. Immerhin das. Denn ich bin eine gescheiterte Zugezogene, suchte über längere Zeit nach einem art-gerecheten Behausung an diesem gar nicht mal so stillen, dafür umso stilvolleren Örtchen. Malerisch schön, könnte man sagen. Inzwischen bin ich hier wenigstens laut-malerisch unterwegs und habe meinen Zweitwohn-Witz hierher verlägert.


P: Laut kann ich bestätigen. Selbst dein Name lautet wie der zweite unserer Bundespräsidentin Keller-Sutter.


C: Deshalb freut es mich ganz besonders, mal einen Blick über den Keller-Rand

wagen zu dürfen.


P: Wahrscheinlich hast du das «Land x Stadt» fehlinterpretiert als den Imperativ: «Land, mal’ Stadt!» Und möchtest als Ostschweizer Landei auch Baden im Glück, wenn auch nur ein-mal-ig.


C: Das habe ich bereits, eine meiner Auftraggebereinnen war das Casino Baden. Überdies trete ich regelmässig im Trafo auf, fehlt nur noch, dass ich offizielle Hofmalerin der Badenfahrt bin.


P: Für dich reicht’s vielleicht als Hinterhof-Malerin des Wettinger Fests. Hast du hier auch einen Kurschatten, so wie früher die Zürcher Badenfahrerinnen?


C: Die einzige, die mich in den Schatten zu stellen vermag, bist du. Doch du wirfst eher einen Kulturschatten.


P: Ich fühle mich inzwischen schon fast als Bootschafterin der Limmat, über der die Sonne aufgeht. Aufgegangen bin ich ebenfalls. Und nun möchte ich eingehen. In die Geschichte. Wenigstens in die lokale Geschichte.


C: Oder einfach in die Lokale eingehen.


P: Da hast du dich bekanntlich auch schon eingehend umgeschaut. Hast du dich eigentlich je verloren in den Gassen von Baden und den Strassen von Wettingen?


C: Ich komme bekanntlich aus dem nahen Osten.


P: Also quasi aus dem Orient?


C: Deshalb bin ich bestens orient-iert. Du bist als Lokalmatadorin doch eine Nachtschattengewächs. Böse Zungen würden sagen, du seist eine Art Vampir.


P: Scharfe Zungen sagen, ich sei ein Vamp.


C: Also handelt es sich um ein Interview mit einem Vamp-Here?


P: Genau. Eine Vamp-Frau gefangen im Körper einer Rampensau. Oft lande ich beim Rampenschlussverkauf des Feierabend-Gins. Im Moonlight-Shadow («Nachtschatten» für die der englischen Sprache nicht mächtigen Zürcher). Im Gegensatz zum Fricktal bietet Baden zumindest Lokale, welche bis nach Mitternacht geöffnet haben. Dann, wenn mein Feierabend beginnt. Auf dem Land hingegen fühlt man sich um diese Uhrzeit oft wie ein Vampir im blutleeren Raum, nicht still, aber doch verlore wie ne Gagu im Nirgendwo. Mein Ausgang ist Afterwork, wie im Grunde bei allen Menschen. Einfach etwas später. Deshalb bin ich froh, wohne ich nicht am Arsch der Welt wie du.


C: Es nennt sich Aarwangen, nicht Arschwangen. Mein Wahlheimat. (Ok, im Grunde hatte ich keine Wahl, da Wettingen bereits von Wetti-Gern-Badenern besetzt war.)


P: Wie meine Grossmutter immer sagte: Nicht alles, was sich reimt, ist ein Gedicht, nicht alles, was zwei Backen hat, ist ein Gesicht.


Unter diesem Gedichtspunkt muss man deine Heimat betrachten. Es ist nicht Aargau, sondern Bern, obschon es Oberaargau heisst, so wie der Berner Aargau nicht in Bern liegt, sondern im Aargau. Im Argen. Zum Glück heisst das Limmattal nicht Zürcher Aargau. Das käme nicht gut an, nirgendwo!


C: You are NOWHERE

You are NOW.HERE.

 
 
 

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